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Mittwoch, der 29. Mai 2019
"Freundliche Worte sind wie Honig: Süß für den Gaumen und gesund für den ganzen Körper.“ (Sprüche 16,24)
Auch wenn König Salomo diese Worte geschrieben hat, muss ich bei dem Bibelvers sofort an Winnie Puuh denken, der vor seinem Honigtopf sitzt und mit seiner Tatze genüsslich hinein greift. Für ihn gibt es nichts Schöneres als Honig zu essen. Das gilt auch für manche von uns, für die ein Honigbrötchen zu einem guten Frühstück dazugehört. Menschen essen seit Jahrtausenden Honig. Er galt stets als ganz besondere Köstlichkeit, weil er lange Zeit das einzig süße Lebensmittel war, das es gab. Die Naturheilkunde schreibt dem Honig außerdem heilende Fähigkeiten zu. Beispielsweise soll er entzündungshemmend wirken, viele trinken eine heiße Milch oder einen Tee mit Honig, wenn der Husten einen plagt.
 
Süß wie Honig – das können Worte sein. Wohlmeinende, aufbauende, mitfühlende, tröstende, verständnisvolle Worte. Freundliche Worte können uns Menschen berühren. Sie spenden uns positive Energie. Aus einem guten Gespräch kann ich gestärkt und ermuntert hinausgehen. Wir brauchen die Erfahrung, dass jemand für uns da ist, mit uns redet, uns zuhört. Freundliche Worte richten uns auf. Verletzungen können heilen. Andererseits bemerken wir, wie unsere Sprache immer mehr zu verrohen droht. Worte sind hetzend, menschenverachtend, niederbeugend, respektlos – ob auf dem Schulhof oder im Internet. Gerade in der Anonymität der Medien passiert es noch schneller, dass Menschen in einer grausamen und unerträglichen Art über andere sprechen. Darüber hinaus lodert die Gefahr auf, dass einer Gewalt der Worte irgendwann die Gewalt der Taten folgen kann.

„Freundliche Worte sind wie Honig: süß für den Gaumen und gesund für den ganzen Körper.“ Freundliche Worte sind das Eine. Es gibt aber auch eine andere Seite, die nicht mit solchen wohlmeinenden Worten zu verwechseln ist. Dann sagen wir: da schmiert einer dem anderen Honig ums Maul. Das ist das Gegenteil von Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Einer lobt den anderen, schmeichelt sich beim ihm ein und das oft, um eine Gegenleistung zu bekommen.

 

Schmieren wir anderen Menschen Honig ums Maul? Welche Worte wählen wir selbst? Sind sie süß für den Gaumen? Der Monatsspruch für den Juni zeigt deutlich, was wir brauchen. Wir brauchen aufbauende und tröstende Worte. Dabei muss es nicht immer ein tiefergehendes Gespräch sein. Wer sich über ein herzlichen Gruß oder ein Danke freut, ist kein Gutmensch, sondern weiß lediglich um das, was zu einem friedlichen Miteinander hilfreich ist. Einem Miteinander, das auf Respekt, Ehrlichkeit und Nächstenliebe beruht. Solch eine Sprache, solche Worte brauchen wir. Das ist so, seit es die Menschen gibt und wird hoffentlich mit unserer Achtsamkeit darauf – auch in Zukunft nicht verschwinden.